Der Selbstexperimentgenerator für einen nachhaltigeren Lebensstil – eine spielerische Methode, um Menschen zu motivieren und sensibilisieren

WISSEN

VON ANNIKA FRICKE erstellt am 20.07.2022

 

Es besteht oft der Wunsch und definitiv der Bedarf nach mehr Nachhaltigkeit im Alltag. Aber was kann jede und jeder Einzelne tun? Wie und wo kann angesetzt werden? Und welche Veränderungen könnten dauerhaft oder nur vorübergehend sein?

 

Ein Selbstexperiment ist ein temporärer Versuch, die eigene Lebensweise hin zu einem nachhaltigeren Verhalten zu verändern und sich dabei systematisch selbst zu beobachten. Es ermöglicht, eingefahrene Routinen zu verlassen und neue Perspektiven einzunehmen. Dabei geht es mehr um das Ausprobieren als um den direkten, schnellen Erfolg. Denn wir lernen am meisten aus eigener Erfahrung, aus selbst Beobachtetem und auch durch Scheitern.

 

Abb. 1: Der Selbstexperiment-Generator in Aktion
Abb. 1: Der Selbstexperiment-Generator in Aktion

Selbstexperimente für eine nachhaltigere Lebensweise

 

Eine Nachhaltige Entwicklung berücksichtigt aus unserer Sicht unsere Mitwelt, die Umwelt und unsere Nachwelt. Daher können Selbstexperimente nicht nur ökologische Ansätze, sondern auch gesellschaftliche Fragestellungen, wie den achtsamen Umgang mit sich selbst oder unseren Mitmenschen, adressieren.

  

Der Selbstexperiment-Generator

Wir (das Team des Karlsruher Transformationszentrums) haben den Selbstexperimente-Generator als mobile Station konzipiert, an der Interessierte innerhalb von wenigen Minuten einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Selbstversuch gestalten können. Anhand von sechs Fragestellungen mit vorgegebenen Kategorien kann das passende Selbstexperiment Schritt für Schritt generiert werden:

 

 • Welches Handlungsfeld wählst du?

 

• Wie möchtest du vorgehen?

 

• Welches Ziel verfolgst du?

 

• Was könntest du beobachten und dokumentieren?

 

• Wer könnte mitmachen oder dich unterstützen?

 

• Wie könnte es danach weitergehen?

 

 

  

Um die Fragen zu beantworten, kann aus jeweils 5 Karten gewählt werden.

 

 Anschließend können die Antworten auf eine Selbstexperimentpostkarte übertragen werden. Die Postkarte dient als Erinnerungsstütze für die Durchführung des Experiments, kann alternativ aber auch als Anreiz an Freunde oder Bekannte verschickt werden. Zudem kann das Experiment auf unser Padlet hochgeladen werden: https://padlet.com/annikafricke2/gd5yulnvww3hjhby.

 

Jetzt kann die eigentliche Experimentierzeit beginnen!

 

 

Selbstexperiment, Nachhaltig
Abb. 2.: Übersicht über alle Karten (Vorderseite)
Selbstexperiment, Nachhaltig
Abb. 3: Übersicht über alle Karten (Rückseiten – mit ausführlicheren Informationen)

 

Anwendungsformen:

Der Generator wurde kürzlich auf diversen öffentlichen Veranstaltungen und der Konferenz „Nachhaltig wirken“ in Karlsruhe präsentiert.

 

 

Stärken:

• Ergebnisoffen, Scheitern ist erlaubt.

• Niederschwellig, verständlich, greifbar und kann so unterschiedliche Zielgruppen erreichen: Schüler*innen, Bürger*innen, Studierende…

• Kann auf die Berechnung des eigenen CO2-Fußabdrucks folgen, um Möglichkeiten auszuloten, den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern.

• Bezieht sich jedoch nicht auf die Reduzierung von CO2-Emissionen, sondern nimmt auch andere Aspekte und Maßnahmen für Nachhaltigkeit in den Blick. • Kann als „Sensibilisierungsmoment“ dienen und somit als Türöffner genutzt werden, um

a)andere Handlungsfelder auf eine nachhaltigere Verhaltensweise abzuklopfen

b) Engagement für Nachhaltigkeit zu fördern (siehe Handprint von Germanwatch).

 

 

Schwächen:

• Alleinige Betrachtung des eigenen Lebensalltags; Verlagerung der Verantwortung auf das Individuum, was laut Grunwald 2012 zu Überforderung führen kann.

• Bisher nicht empirisch getestet.

Nicht für große Gruppen geeigntet.

 

Mehr Informationen auf: https://www.transformationszentrum.org/mein-selbstexperiment.php

 

 

Fazit

Ein temporärer Selbstversuch kann den nötigen Anstoß geben, um vom Wissen zum Handeln zu gelangen. Es ist eine spielerische Methode, um Menschen für nachhaltiges Handeln zu motivieren und zu sensibilisieren. Allerdings muss das Format empirisch mit unterschiedlichen Zielgruppen getestet werden. Bisher haben wir nicht untersucht, ob und wie ein Selbstexperiment durchgeführt wird; ob es erfolgreich ist oder nicht.

  

 

 

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